Buchklub

Höhepunkt unseres Buchklubprojekts

OFFENE GRENZEN – von sichtbar bis unsichtbar

Ein Projekt der NMMS Auersthal in Deutsch und Geschichte und auch fächerübergreifend.
Am 19. 3. 2015 kam der Journalist und Zeitzeuge Franz Eder zu uns in die Schule!
NMMS Auersthal: Sie waren im Ostblock tätig bevor die Grenzen geöffnet wurden, also bevor der Eiserne Vorhang fiel. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Franz Eder: Ich war für den KURIER jahrelang hinter dem Eisernen Vorhang unterwegs auf der Suche nach spannenden Geschichten über Atomkraftwerke, geplante Atommüll-Endlager, berichtete über Demonstrationen, habe ranghohe kommunistische Politiker interviewt, traf mit hohen Repräsentanten der Katholischen Kirche zusammen
(u.a. Kardinal František Tomášek ) oder berichtete über Menschen, denen die Flucht in den Westen gelang.

NMMS Auersthal: Sie waren selbst dabei, als 1989 der Stacheldraht an der Grenze zur heutigen Slowakei durchtrennt wurde. Wie war das für Sie?

Franz Eder: Es war sehr spannend, da ich mir damals sicher war, dass ich als einziger Journalist es mitbekommen habe, dass schon drei Tage früher, als offiziell angekündigt, mit dem Abbau des Eisernen Vorhanges begonnen wird. Das war eine Exklusivgeschichte, von der jeder Journalist träumt. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich mich dem Stacheldraht nähern, ohne Angst haben zu müssen, wieder einmal verhaftet zu werden, dass auf mich geschossen wird oder ich auf eine Mine trete.

Grenzen im Journalismus?

NMMS Auersthal: Gab es Grenzen im Journalismus vor dem Fall des Eisernen Vorhangs? Sehen Sie in der heutigen Zeit Grenzen?

Franz Eder: Natürlich gab es Grenzen. Aber es gab auch genaue „ Spielregeln” in der kommunistischen Welt. Ich wusste damals sehr genau, was man machen durfte, und was nicht. Man durfte sich halt nicht erwischen lassen. Informanten mussten zu 100 Prozent geschützt werden, denn sie riskierten, wenn sie sich mit Journalisten einließen, dass sie wegen angeblicher „ Spionage “ jahrelang eingesperrt werden.
Es war ein Katz und Maus-Spiel. Aber es hat mir als junger Journalist viel Spaß gemacht, auch wenn ich von der tschechoslowakischen Geheimpolizei manchmal dafür verprügelt und verhaftet wurde.